Bremgartens Pioniertat
1983 beschloss die Gemeindeversammlung Bremgartens, einen Teil des Gemeindegebiets mit Abwärme aus der Abwasserreinigungsanlage (ARA) in der Neubrügg (ara region bern) zu versorgen. 1984 fiel der Startschuss zum Bau des Wärmekollektivs Bremgarten (WKB) – und damit zu einer schweizweiten Premiere: Nirgendwo sonst betrieb eine Gemeinde in Eigenregie eine Anlage, die im grossen Stil geklärtes Abwasser zum Heizen von Gebäuden nutzt. Gleichzeitig konnte im Winter der Anteil der an die Aare abgegebenen Wärme reduziert werden.
Bisher: ein «kalter» Wärmeverbund
Das WKB wird aktuell als sogenannter «kalter Wärmeverbund» betrieben. Dabei wird die Wärme des geklärten Abwassers aus der ARA in einem geschlossenen System mit einer Temperatur von ca. 10 bis 15 Grad Celsius zu den Heizzentralen der Siedlungen und zu den grösseren Gebäuden geführt. Dort wird es mittels Wärmepumpen erhitzt und über ein internes Verteilsystem zu den Wohnungen geleitet. Bei grossem Wärmebedarf – zum Beispiel in den Wintermonaten – reicht die Kapazität des alten Netzes jedoch nicht aus. Es muss mit fossiler Energie ergänzt werden. Der Erneuerbarkeitsgrad dieses Systems liegt bei einigen Heizzentralen sogar unter 50%.
2019: Gemeindeversammlung beschliesst Umbau in warmen Wärmeverbund
In den vergangenen Jahren hat sich das bisherige, kalte System zudem als vergleichsweise fehleranfällig erwiesen. Verschiedene Anlageteile in der ARA und in vielen Heizzentralen sind nach über 40 Jahren Betriebszeit sanierungsbedürftig oder haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Zudem müssen regelmässig Leckverluste auf den ca. 4'800 Metern Netzlänge nachgefüllt werden. Vor diesem Hintergrund und nach Evaluation verschiedener Varianten hat die Gemeindeversammlung im Juni 2019 mit grossem Mehr beschlossen, das kalte Wärmekollektiv in einen warmen Wärmeverbund umzubauen und Energie Wasser Bern (ewb) als Konzessionärin mit dessen Bau und Betrieb zu beauftragen.
2024: Bundesgericht bestätigt Beschlüsse der Gemeindeversammlung
Gegen diesen Entscheid wurden Einsprachen bzw. Beschwerden erhoben. Im September 2024 hat das Bundesgericht letztinstanzlich die Rechtmässigkeit des Beschlusses der Gemeindeversammlung bestätigt. Damit ist dieser für den Gemeinderat, aber auch für die an das bestehende Wärmekollektiv angeschlossenen Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer verbindlich.
2025: Gemeinderat bekräftigt Entscheid für warmen Wärmeverbund
In der Zwischenzeit hat der Gemeinderat zusammen mit den Betreibern der Heizzentralen erneut verschiedene Varianten für die Wärmeversorgung untersucht und bewertet. Nach Prüfung der Ergebnisse hat der Gemeinderat im September 2025 beschlossen, am 2019 gefällten Entscheid der Gemeindeversammlung für einen warmen Wärmeverbund festzuhalten. Dies aus den folgenden Gründen:
- Erweiterbarkeit: Nur ein warmer Wärmeverbund kann substanziell erweitert werden. Mit Blick auf die Energie- und Klimaziele der Gemeinde ist eine grösstmögliche Nutzung der CO2-freien Abwärme aus der ARA anzustreben. Gleichzeitig kann mit der Abwärme des Abwassers eine lokale Energiequelle sinnvoll vor Ort genutzt werden. Abgesehen vom Perimeter des heutigen bzw. künftigen Wärmeverbunds in Bremgarten sind in der Umgebung der ARA Neubrügg keine nennenswerten potenziellen Wärmeabnehmer vorhanden.
- Langfristige Perspektive Wärmeversorgung: Das Erweiterungspotenzial des neuen Wärmenetzes muss genutzt werden. In 10 bis 15 Jahren ist das Potenzial für Neuanschlüsse nicht mehr vorhanden, weil viele Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer bis zu diesem Zeitpunkt bereits individuelle klimafreundliche Lösungen realisiert haben werden.
- Gasausstieg: In spätestens 20 Jahren sollte Bremgartens Gasnetz im Hinblick auf das Netto-Null-Ziel beim Klimaschutz stillgelegt sein. Ein warmer Wärmeverbund kommt weitgehend ohne fossile Energie aus und ist damit die zukunftsgerechte ökologische Lösung für die Wärmeversorgung. Das alte, kalte Wärmekollektiv würde auch nach einer Sanierung Risiken mit schwer abschätzbaren Folgekosten bergen.
- Geschäftsmodell: Der Betrieb eines warmen Wärmeverbunds kann einem professionellen Contractor übergeben werden und so in Zukunft dem technischen Fortschritt angepasst weiterentwickelt werden.
2026: Absichtserklärung und Machbarkeitsstudie
Um die Zusammenarbeit zu schärfen und das konkrete Vorgehen festzulegen, haben die Gemeinde und Energie Wasser Bern (ewb) Mitte 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet. In einem ersten Schritt prüft ewb im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die technologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Projekts. Dabei wird unter anderem auch der potenzielle Wärmeabsatz in einem Teil der Siedlungen geprüft, die an das Gebiet des heutigen Wärmekollektivs angrenzen.

Verdoppelung der klimafreundlichen Wärmeversorgung möglich
Erste Einschätzungen im Rahmen der Machbarkeitsstudie bestätigen bisherige Annahmen, die spezialisierte Firmen in den vergangenen Jahren getroffen haben: Durch eine Erweiterung des Wärmeverbundes ist eine Verdoppelung der mit klimafreundlicher Wärme versorgten Wohneinheiten von heute rund 500 auf künftig rund 1000 realistisch (Verbrauch der Gemeinde in Wohneinheiten umgerechnet). Mit Blick auf das mittel- bis langfristig absehbare Ende der Gasversorgung in der Gemeinde und die rechtlich von Bund und Kanton Bern verankerte Netto-Null-Zielsetzung für Treibhausgasemissionen bietet die Erweiterung des Wärmeverbundes den Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer somit eine klimafreundliche Alternative mit einem sehr hohen Grad an Erneuerbarkeit. Ohne Wärmeverbund müssten rund 1000 Liegenschaften in Bremgarten mit individuellen Lösungen (Wärmepumpen) beheizt werden. Dies wäre ineffizienter und würde einen deutlich höheren Stromverbrauch mit sich bringen als die Wärmebereitstellung mit Abwärme aus der ARA und zentralen, grossen Wärmepumpen.
Die nächsten Schritte
Nach Abschluss der Machbarkeitsstudie wird ewb die Liegenschaftseigentümerinnen und -eigentümer in den potenziellen Erweiterungsgebieten anschreiben, um ihr konkretes Interesse an einem Wärmebezug abzufragen. Auf Basis dieser Rückmeldungen wird das Projekt neu beurteilt und gegebenenfalls angepasst. ewb und der Gemeinderat verfolgen das Ziel, bei einer genügend hohen Anzahl am Anschluss interessierter Liegenschaften, einer vertretbaren Wirtschaftlichkeit sowie im Falle einer Konzessionserteilung an ewb ab Frühling 2028 das Bauprojekt zu erarbeiten. Damit könnten die Bauarbeiten für den neuen Wärmeverbund 2029 starten.
Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns unter waermeverbund@3047.ch.